Begabungen lesen: Warum wir mehr in unsere Bahnhofsviertel blicken sollten
Am Anfang steht bei EHRET+CIE keine Planung, sondern eine Frage: Was kann dieser Ort? Nicht jedes Grundstück eignet sich für jede Nutzung – erfolgreiche Entwicklung baut auf den spezifischen Qualitäten eines Standorts auf, statt ihm ein Konzept überzustülpen. Das gilt für ein einzelnes Objekt genauso wie für ein ganzes Quartier.
Wie sich eine solche Begabung lesen lässt, zeigt ein Blick auf das Münchner Bahnhofsviertel: Ankommen und Wegfahren, Hypermobilität, ein Ort kreativer Köpfe und großer Vielfalt. Gleichzeitig treffen hier auf engem Raum sehr unterschiedliche Lebenswelten und Nutzungen aufeinander. Hoher Nutzungsdruck, soziale Spannungen und eine mitunter angespannte Situation im öffentlichen Raum gehören ebenso zum Viertel wie seine Dynamik und besondere urbane Energie. Damit wird sich die neue Ausgabe der urban.matters befassen. Vorab hier Auszüge aus dem Editorial-Interview, das Alexander Gutzmer mit Michael Ehret geführt hat.
Alexander Gutzmer: Guten Morgen Michael. Wir sitzen im Bahnhofsviertel. Zufall?
Nein. Am Tisch da drüben habe ich 2009 meinen ersten Deal mit Investoren eingetütet. Und siehe da, es gibt das Café immer noch. Man schaut raus, sieht Leben, Multikulturalität, Weltoffenheit. Das Bahnhofsviertel ist eigentlich eine tolle Visitenkarte für die Stadt München. Es zeigt, was München auch sein kann. Ein wenig wie in den 1970ern. Damals hat München demonstriert, dass es zu einem Hotspot taugt, dass hier Hoch- und Subkultur parallel möglich ist. Dieser Geist ist in der Stadt ein wenig verloren gegangen, er prägt dieses Viertel aber bis heute.
Alexander Gutzmer: Deshalb machen wir das Bahnhofsviertel zum Thema unseres neu aufgelegten urban.matters, die zur EXPO Real erscheint…
Genau. Das Phänomen Bahnhofsviertel ist ja nicht nur ein Münchner Thema. Bahnhofsviertel sind in vielen Städten ungeliebte Kinder – mit Fehlern, mit Ecken und Kanten. Aber eben auch mit vielem, was eine Stadt ausmacht. Wenn wir etwa über reale Migration und gelebte Integration sprechen, ist das Bahnhofsviertel hierfür der Austragungsort. Außerdem ist es in jeder Stadt ein total zentraler Punkt, ein Ort maximaler Konnektivität.
Alexander Gutzmer: Und sicher auch ein Chancenraum. Was aber kann nun EHRET+CIE dafür tun, diesen zu verbessern? Was bringt Ihr mit, was andere Entwickler nicht haben?
Ein absolutes Verständnis für die Nachbarschaft. Wir hören den Menschen hier wirklich zu. Und wir geben uns, ihnen und unseren Projekten die Zeit, zu wachsen. Wir betreiben kein reines Trading, sondern lassen echte Transformation zu.
Alexander Gutzmer: Und Ihr gestaltet Transformationen in Quartieren und Städten auch?
Definitiv, denn ohne aktive Gestaltung gelingt Transformation nicht. Wichtig ist dabei die langfristige Perspektive. Wir wollen Visionen nicht nur erklären, sondern in der Ausführung begleiten. Enabling ist wichtig, aber genauso wichtig ist die Frage: Wie setze ich etwas um? Und wie lerne ich dabei – damit in der Zukunft noch bessere Produkte entstehen?
Mehr zum Bahnhofsviertel: EHRET+CIE präsentiert die neu aufgelegte Ausgabe von urban.matters zum Thema auf der EXPO REAL.